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Schulchronik des Schulschiffs

Die Geschichte unserer Schule

Der Schulentwicklungsplanung der 1980iger Jahre lagen bekanntlich sinkende Einwohner- und Schülerzahlen zugrunde. Dadurch konnte dem Sanierungsbedarf bestehender Schulgebäude und der Neubauplanung in den zukünftigen Zentren von neuen Wohngebieten Priorität eingeräumt werden

In Wien ergab sich zu Beginn der 1990iger Jahre die Notwendigkeit, die Wohnbautätigkeit in Wien nahezu zu verdoppeln, und somit sowohl für den Pflichtschulerhalter, die Stadt Wien, als auch für den Erhalter der weiterführenden Schulen, den Bund die Aufgabe...

  • möglichst rasch an neuralgischen Punkten
  • die verkehrsmäßig gut erschlossen sind
  • möglichst kostengünstig und
  • ohne besondere zusätzliche infrastrukturelle Maßnahmen
  • Schulraumkapazitäten zu schaffen

Minister ScholtenDurch den Ausfall der Sowjetunion als größter Auftraggeber suchte die ÖGWAG Werft Korneuburg Gesellschaft m.b.H. eine Tochtergesellschaft der ÖSWAG Holding AG Linz, Alternativprojekte, um die Zeit bis zur Fertigstellung des Rhein-Main-Donaukanals durch welchen eine Auftragssteigerung, vor allem im Bereiche der Instandhaltung und Instandsetzung, erwartet wurde, zu überbrücken. So wurde auch, ähnlich den bereits ausgeführten Hotelschiffen ein Schulhaus in Form eines Schiffes geplant, welches bei höchstens gleichen Kosten wie in Landbauweise eine wesentlich raschere Realisierung erwarten ließ und auch den Vorteil einer gewissen Standortflexibilität mit sich brachte.

Es wurde daher zunächst in Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Institut für Schul- und Sportstättenbau und dem damaligen Raumreferat des Stadtschulrates für Wien von der ÖSWAG Werft Korneuburg Gesellschaft m.b.H. ein Schiff für eine Pflichtschule konzipiert.

Am 14.10.1991 wurde erstmals der Öffentlichkeit als besondere Herausforderung die "Schwimmende Schule" präsentiert. Die Vorteile lagen auf der Hand: Keine Probleme der Grundstücksbeschaffung; durch den ursprünglich am Donaukanal im Bereich Augartenbrücke - Urania geplanten Liegeplatz eine verkehrsmäßig optimale Erschließung, dies in einer Zeit, als durch den erwarteten Expo-Bau die Grundstückskosten in Wien stark stiegen und auch Ersatzschulraum zur Ermöglichung dringend nötiger Generalsanierungen erforderlich war.

HawlicekAufgrund der Schulraumnot im 21. Bezirk (AHS-Bereich) wurde dann jedoch mit der ÖSWAG ein Kaufvertrag ausgearbeitet, in dem sich das Unternehmen verpflichtet, mit Schuljahresbeginn 1993/94 eine 36klassige AHS nach dem Standard der AHS 1230 Wien, Anton Baumgartner-Straße zu liefern. Wegen der erforderlichen Größe (36 Klassen) kam nur der Standort zwischen der Floridsdorfer Brücke und der Schnellbahn- bzw. zukünftigen U-Bahn-Brücke (Adresse: 1210 Wien, DonauinseIplatz) in Frage.

Auch als die Geschäftsführung der ÖSWAG Holding AG mit Schreiben vom 24.2.1993 bekannt gab, dass durch den Zusammenbruch des traditionellen Marktes in Rußland sowie der starken Konkurrenz von anderen Werften die Werft Korneuburg nach der Fertigstellung des Schul-Haus-Bootes bedauerlicherweise geschlossen werden muß, schien durch den unerhörten Einsatz des Teams der Schiffswerft Korneuburg, gerade dieses Schul-Haus-Boot als Denkmal und letztes Produkt, in vielfacher Hinsicht auch einmaliges Produkt österreichischer Schiffsbaukunst, eine Fertigstellung zum vertraglich vereinbarten Termin denkbar. Der etappenweise Personalabbau, die aus den verschiedensten Gründen entstandenen Probleme mit Lieferanten, die Koordinierung mit der Einrichtung, die atypische Wetter- und Donauwasserstandssituation im Sommer und Herbst 1993 führten schließlich zu einer durch den Vertrag noch gedeckten Verzögerung des Übergabetermines, bis schlußendlich die Besiedelung zu Ostern 1994 erfolgte. Mit diesem Datum findet für sechs bereits vorgebildete Klassen (aus der Aderklaaer Straße) erstmals im "Bundesgymnasium und Bundesrealgymnasium 1210 Wien, Linkes Donauufer, Stromkilometer 1 931,5" der Unterricht statt.

pic scholzAls Beschäftigte in dislozierten Klassen (Aderklaaer Str.) des RG XXII, Polgarstr., haben wir bereits im Schuljahr 92/93 begonnen - freiwillig und zum Großteil in unserer Freizeit - gemeinsame Zielsetzungen und Arbeitsstrukturen für unsere spezielle Situation zu erarbeiten. Wir LehrerInnen haben uns bewusst für die Mitarbeit an der Entwicklung einer innovativen Schule mit der Notwendigkeit eines großen Engagements entschieden bzw. diese von uns aus gesucht. Die Identität der "Bertha von Suttner"-Schule basiert zum großen Teil auf diesem LehrerInnen-Team. Die SchülerInnen hatten zwei Jahre lang nur über dieses LehrerInnen-Team die Möglichkeit, sich als SchülerInnen einer eigenen Schule zu sehen.

Im April 1994 konnten wir auf das "Schulhausboot" übersiedeln und im Sommer 1994 wurden wir eine eigene Schule mit Direktion. Die Kontinuität des Teams garantiert das Selbstverständnis und die effiziente Weiterarbeit.

Im Schuljahr 2013/2014 feierte das Schulschiff somit sein 20jähriges Bestehen. Zu diesem Anlass wurde aus verschiedenen Beiträgen über das Schulschiff - vom Stapellauf bis zum Jahrhundert-Hochwasser - eine kurze "visuelle Schulgeschichte" zusammengestellt:

Schulschiff-Film: © Mag. Florian Bachofner-Mayr, MSc (2014)